12. Januar 2016

Breitbandausbau in Haar

Haar ist online. Und zwar ganz Haar, selbstverständlich. Nicht ganz so selbstverständlich ist es aber, dass in Haar die Internetverbindung schnell ist. Ist sie tatsächlich – bis auf wenige Ausnahmen. Und die will die Gemeinde jetzt angehen – Förderung durch die Bayerische Staatsregierung inklusive.

Michael Räbiger vom Büro Corwese GmbH hatte eine Folie für den Bauausschuss der Gemeinde Haar aufgelegt – darauf zu sehen war das Gemeindegebiet, bunt eingefärbt. Dominierend die Farbe Gelb, die in diesem Fall für eine gute Versorgung im Breitbandbereich von > 30 Mbit in der Downloadrate liegt.

Sehr gute Versorgung in Haar
War bis vor einiger Zeit die Breitbandversorgung vor allem für große Firmen vorgesehen, benötigen mittlerweile auch die Privathaushalte die hohen Übertragungsraten: 26,7 Gigabyte wurden durchschnittlich monatlich im Jahr 2014 in Privathaushalten durchs Netz bewegt. Schon in 1,5 bis 2 Jahren wird sich diese Datenmenge wieder verdoppelt haben. Der Grund: Viele sehen mittlerweile online Fernsehen, Filme und Musik werden heruntergeladen, große Datenmengen werden verschickt oder in Clouds deponiert – und auch sonst will man sich im Internet schnell bewegen, einkaufen und nicht ewig warten, bis sich auch große Seiten aufbauen. In Haar ist das gut möglich. Auch in der der Funk- und LTE-Versorgung ist man vor allem durch die nahe Autobahn gut aufgestellt in der Gemeinde. „Die Versorgung ist sehr sehr gut – mit einigen kleinen Löchern“, erklärte der Experte.

Einige kleine Löcher
Die „Löcher“, in denen die Breitbandversorgung noch nicht angekommen ist, sind relativ klein: So gibt es ein Versorgungsloch am Jagdfeld/Dianastraße, zwischen Keferloher- und Blumenstraße besteht auch eine Lücke, genau wie in einem kleineren Gebiet an der Gronsdorfer Straße. Die Gärtnersiedlung in Salmdorf ist nicht gut versorgt, ebenso der nördlichste Teil von Ottendichl. Besonders dringend wäre eine Erschließung in Teilen des Gewerbegebiets Eglfing, bei dem sowohl ein bestehendes Gebäude betroffen ist, sowie ein Grundstück, das bald bebaut werden soll.

DSLAM oder Glasfaser
Es gibt zwei Alternativen für die Erschließungen: Zum einen kann man durch einen so genannten DSLAM, eine Art Verteilerkasten, die hohen Bandbreiten auch in bislang nicht gut erschlossene Gemeindeteile bringen. Die zweite, kostenintensivere Methode ist die Verlegung von Glasfaserkabeln. Durch sie können die höchstmöglichen Übertragungsraten erreicht werden, was gerade für das Gewerbe wichtig sein kann. In Haar wäre das in Eglfing nötig, aber auch das gemeindliche Wasserwerk würde von einem Glasfaserkabel profitieren. Darüber gab es jedoch Diskussionen im Gemeinderat, denn ansonsten leben in der Forsthausstraße kaum Menschen – ob es da nicht auch ein DSLAM täte? Angesichts der prognostizierten Förderungssummen durch den Freistaat konnte man sich jedoch auf die 50.000 Euro teure Verlegung eines Glasfaserkabels zum Wasserwerk verständigen. Auch die Gärtnersiedlung könnte durch die Verlängerung eines bestehenden Glasfaserkabels optimal versorgt werden. Die restlichen unterversorgten Stellen in der Gemeinde würden durch DSLAMs ein schnelleres Internet bekommen.

Bayerische Breitband-Initiative
Die bayerische Breitband-Initiative ist der Grund, warum Haar jetzt auch die kleinen Internet-Lücken im Gemeindegebiet zügig schließen will: Wie 16 andere Landkreiskommunen auch, hat sich die Gemeinde in das Verfahren des Förderprogramms begeben, um Zuschüsse zu bekommen. Hier steht Haar gerade am Ende der Bestandsaufnahme, jetzt müssen die Versorgungslücken unter den Netzbetreibern ausgeschrieben werden. Michael Räbiger rät zu einer Deckelung der Angebotssummen bei 400.000 Euro, wobei dann die Gemeinde Haar maximal 160.000 Euro bezahlen müsste – denn 60 Prozent der Kosten würden über das Förderprogramm finanziert. Und Räbiger ist sich zudem sicher, dass die Gemeinde eine positive Überraschung erleben wird, denn die Erfahrung zeigt, dass die eingehenden Angebote meist noch deutlich günstiger ausfallen. Für Haar rechnet er mit 127.000 Euro Selbstbeteiligung. Bis Mitte 2017 könnte der Haarer Breitbandausbau umgesetzt sein.

Masterplan
Für die Zukunft gilt es trotzdem einen „Masterplan“ aufzustellen: In jede Straße, die in den nächsten Jahren aufgerissen würde, sollte Glasfaser-Leerrohre gelegt werden. So könnte man in den nächsten 15, höchstens 20 Jahren ganz Haar mit Glasfaser versorgen – eine notwendige Maßnahme, bei der rasanten digitalen Entwicklung.

Claudia Erl