09. Juni 2016

Konni in Schloss Bellevue

Wer ist eigentlich nochmal dieser Bundespräsident Gauck? Viele Erstklässler können diese Frage sicher noch nicht beantworten. Die der Haarer Grundschule St. Konrad wissen aber Bescheid. Denn die stehen quasi in engem Kontakt mit dem ersten Mann des Landes. Und jetzt besuchen sie ihn sogar: Schon am Montag reisen sieben von ihnen gemeinsam mit drei Lehrerinnen nach Berlin ins Schloss Bellevue. Die Kinder bekommen einen Preis von Joachim Gauck. Und für diese Reise gab ihnen die  zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak noch etwas mit …

Je ein „Haarer Busserl“ – eine schokoladige Süßigkeit - und einen Schreibblock mit dem Gemeinde-Emblem – darüber freuten sich die 40 Kinder der Klasse 1a und der Ü-Klasse sowie deren Lehrerinnen Susanne Gratz, Petra Kienbacher und Dorena Genge. Haars zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak hatte sie als kleine Anerkennung in die Grundschule St. Konrad gebracht, denn hier wurde in den letzten Wochen wirklich etwas Bemerkenswertes geschaffen. Wie bemerkenswert, das zeigt, dass man sich so-gar in Berlin dafür interessiert. Doch von Anfang an.

Konni ist jetzt bunt
Konni ist jetzt nicht mehr nur grün. Konni ist bunt. Das ist die logische Schlussfolgerung, die die Klasse 1a gemeinsam mit der Ü-Klasse der Grundschule St.  Konrad gezogen hat: Ihr Schulmaskottchen, die Schildkröte, hat sich verändert.
Der Hintergrund: Seit dem laufenden Schuljahr gibt es in St. Konrad eine Ü-Klasse, in der sich vorwiegend Flüchtlingskinder bis zur 4. Jahrgangsstufe vereinen und hier gefördert werden. „Es war uns besonders wichtig, die neuen Mitglieder unserer Schulfamilie möglichst schnell zu integrieren und jegliche Möglichkeit, den Aufbau  von Ängsten und Vorurteilen sowohl von Seiten der Neuankömmlinge als auch der Schüler der Regelschulklassen zu verhindern“, betont Petra Kienbacher, eine der beiden Lehrerinnen der Ü-Klasse. Ganz nach dem Motto „Jeder ist einmalig“ hat sich die Ganztagsklasse  1a von Susanne Gratz mit den Kindern der Ü-Klasse zusammengesetzt und festgestellt, dass die 40 Kinder aus 16 Nationen stammen – zehn zählten sie übrigens schon in der 1a. Von Schottland über Italien bis Afghanistan, von Ungarn über Kroatien bis Syrien, von Deutschland zur Türkei bis Mexiko – auf der Weltkarte im Klassenraum wurden viele kleine Nadeln gesetzt.

Von Ländergruppen und bunten Schildkrötenpanzern
Diese Vielfalt beeindruckte alle – und so beschloss man, sie in Form eines Buches festzuhalten. Hauptakteur musste natürlich die Schul-Schildkröte sein. "Konni geht auf Reisen - Hand in Hand", so der Titel des Buches, das entstanden ist. Hierin wandert die Schildkröte von Land zu Land. Die Kinder gründeten Ländergruppen, und gestalte-ten je eine Doppelseite: Dabei werden alle Besonderheiten des jeweiligen Landes in gemalten Bildern festgehalten, Konnis Panzer schmückt sich mit den Nationalfarben, es wird aufgeschrieben, was das Wort „Schule“ in der Landessprache heißt und mit welchen Worten man sich begrüßt. So wissen die Kinder jetzt, dass die afghanischen Klassenzimmer in Zelten untergebracht sind, wie man sich in Ungarn begrüßt oder dass Kroatien ein wundervolles Meer hat. Die Geschichte endet in einem gemeinsamen Fest aller Länderkonnis mit der Schul-Konni unter dem Sternenhimmel der Milchstraße – der gemeinsamen Galaxie.

Auf dem Siegertreppchen gelandet
Doch warum fahren die Kinder nun zum Bundespräsidenten? Noch während das Projekt läuft und alle sehen, wie wundervoll der Austausch funktioniert und wie riesig die Faszination und der Spaß der Kinder ist, stößt Petra Kienbacher auf den Schulwettbewerb des Bundespräsidenten für Entwicklungspolitik. Titel: „alle für EINE WELT für alle – Umgang mit Vielfalt“. Da wollten die Kinder dabei sein – und so trat Konni eine weitere Reise an: In Buchform ging es nach Berlin. Für alle überraschend kam eine Einladung ins Schloss Bellevue: „Konni geht auf Reisen“ hat es auf das Siegertreppchen geschafft! Ob es auf Platz eins, zwei oder drei gelandet ist, das wurde bislang nicht verraten.

Drei Tage in Berlin
Jetzt ist die Aufregung verständlicherweise groß. Und die Sicherheitsvorschriften im Schloss Bellevue ebenso: Sieben Kinder und drei Lehrkräfte dürfen mit zur Preisverleihung reisen. Da musste das Los entscheiden. „Bei der Ü-Klasse war es gar nicht so einfach, denn nicht alle hier haben einen Ausweis oder eine Aufenthaltsgenehmigung – und das Schloss Bellevue hat viele Auflagen“, erklärt  Susanne Gratz. Drei Tage wird man in Berlin sein. Ob die Kinder den Herrn Gauck denn auch erkennen? Graue Haare wird er wohl haben, da sind sie sich sicher. Und sein Schloss könnte gelbe Wände haben. Innen wird es einen Tisch geben mit vielen Mikrofonen, draußen wehen Fahnen. Nur eines mussten die Lehrerinnen klarstellen: Herr Gauck ist nicht der Ehemann von Frau Merkel.

Ein Exemplar für Merkel
Angela Merkel kennen die Kinder auch: Zu Ostern schickten die Kinder ein Exemplar des Konni-Buches ins Kanzleramt – zurück kam ein Dankesbrief und eine Autogrammkarte, die man nun im Schaukasten der Schule bewundern kann.
Am Montag geht also die Reise los – die Gemeinde drückt die Daumen. Und die Kinder bedankten sich für die kleinen Geschenke - in 16 Sprachen. Mal sehen, wie sich Bundespräsident Joachim Gauck bedankt. Für ihn haben die Kinder nämlich auch ein „Haarer Busserl“ im Gepäck.
Wer die Preisverleihung live miterleben will: Sie wird am Dienstagmorgen ab 10 Uhr in einem Live-Ticker  auf der Internetseite „alle für EINE WELT für alle“ www.eineweltfueralle.de und auf Facebook mit Videos und Bildern von der Veranstaltung begleitet.  

Übrigens: Das Buch „Konni geht auf Reisen – Hand in Hand“ wird es beim Sommer-Schulfest „60 Jahre – 60 Nationen“ am 15.7.16 zu kaufen geben. Die Druckkosten wurden von der Firma Cramo AG übernommen, so dass alle Erlöse der Schule zu Gute kommen.
BU: Ella, Emma, Emmanuel, Klarissa, Raul, Ruby und Vanessa reisen gemeinsam mit Susanne Gratz, Petra Kienbacher und Dorena Genge (nicht im Bild) zu Joachim Gauck. Haars zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak brachte eine kleine „Wegzehrung“ für die Reise.


Claudia Erl