05. Oktober 2017

Schulpartnerschaft verbrieft

Haar und Ilembula noch enger verbunden

Die Rührung über einen großartigen Moment lag über dem Sitzungssaal im Haarer Rathaus: Die beiden Schulleiter Vitus Mpogole und Gabriele Langner setzten im Beisein der Bürgermeisterin Gabriele Müller ihre Unterschriften unter den Schulpartnerschaftsvertrag. Schon seit 30 Jahren verbindet Haar durch die Jesuskirche eine enge Freundschaft mit Tansania. Jetzt haben das Ernst Mach Gymnasium (EMG) und die Secondary School Ilembula diese auch hochoffiziell und feierlich bestätigt.

Schon der feine rote Anzug des tansanischen Schulleiters zeigte, wie feierlich der Moment einzustufen war: Mit seiner sechsköpfigen Delegation war Mpogole aus Tansania vor zwei Wochen angereist – es war der Gegenbesuch zum vorausgegangenen vierwöchigen Aufenthalt einer Gruppe Haarer Schülerinnen und Schüler in Ilembula. Alle sieben Tansanier hatten zuvor noch niemals ihr Land verlassen. So landeten sie in einer völlig fremden Kultur. Und da überraschten schon Alltäglichkeiten. „Am Münchner Flughafen bestiegen zum Beispiel alle zum ersten Mal in ihrem Leben eine Rolltreppe“, berichtete Edwin Busl, Lehrer am EMG, der gemeinsam mit seiner Frau Christine den Austausch gestaltete. „Wir haben uns deswegen sehr intensiv auf unsere Gäste vorbereitet“, sagt der Lehrer. Aktivitäten wie gemeinsamer Sport, Theateraufführungen, Ausflüge und lange, auch sehr ernsthafte Gespräche am Lagerfeuer haben den Austausch wunderbar werden lassen.

Eine kleine globale Gemeinschaft

Die Unterschiede zwischen den beiden Partnern könnten größer kaum sein, betonte Edwin Busl auch in seiner kurzen Ansprache im Rathaus. Die einen von der Nordhalbkugel, die anderen von der Südhalbkugel der Erde, auf der einen Seite Reichtum auf der anderen bittere Armut. Trotzdem entstand laut Rektorin Langner eine Freundschaft – und die unterschriebene Partnerschaft sei ein weiterer Schritt auf einem gemeinsamen Weg. Laut lasen die Rektoren in ihrer jeweiligen Landessprache – dort Kisuaheli, hier Deutsch – die Vereinbarungen vor. Die Würde des Menschen steht dabei im Mittelpunkt, die gegenseitige Hilfe und Unterstützung, der Nachhaltigkeits- und Umweltgedanke, Gerechtigkeit. Und so wurde eine kleine globale Gemeinschaft in Haar gegründet – sehr unterstützt von Bürgermeisterin Gabriele Müller, die Tansania ebenfalls bereits besucht hat.

Ursprung bei der Jesuskirche

Erst 2015 war der Verein „SchuPa Tansania e.V.“ zur Förderung der Bildung in Tansania am EMG gegründet. „Wir haben damals nicht zu träumen gewagt, dass wir heute hier so stehen“, schwärmt Busl, der wie seine Frau Mitglied des Arbeitskreises EineWelt der Jesuskirche ist. Doch wie kommt Haar überhaupt zu Tansania?

Diese Verbindung besteht seit 30 Jahren durch die Partnerschaft zwischen der evangelischen Jesuskirche und der Lutheran Parish Ilembula. Immer mehr Menschen in Haar - ganz vorne mit dabei Helga und Jochen Döring, der heute den Arbeitskreis leitet - wurden vom "Afrika-Virus" gepackt. Durch die Verbundenheit im gemeinsamen Glauben und gegenseitige Besuche helfen sie den Ärmsten in Tansania und kurbeln dort kräftig die Selbsthilfe an.

Viele Pläne

Und selbstverständlich werden auch am EMG fleißig Pläne geschmiedet: 2019 wird es wieder Begegnungsreisen geben. Bis dahin werden Projekte vorangetrieben und verwirklicht, so wird  beispielsweise nach und nach die Schulausstattung in Afrika verbessert. Das wohl größte Projekt ist eine Baumpflanzaktion der Haarer in Ilembula. Das Holz könnte schon in 12 bis 15 Jahren verwertet werden, zugunsten der Schule. Symbolisch wurde nach der Unterschrift im Pausenhof des Haarer Gymnasiums bereits ein erster Baum gepflanzt – eine alte Apfelsorte. Und auch sonst wird man am Haarer Gymnasium im Wahlfach SchuPa sehr aktiv bleiben. Denn es gibt viel zu tun.

Klaus Rückert, dessen Frau Gerlinde von der ersten Stunde an die Ilembula-Partnerschaft getragen und geprägt hat, hat all das beim Gottesdienst für die Gäste in der Jesuskirche in einen einzigen, treffenden Satz gepackt: „Schau mal, was da wächst!“

 

Auf dem Foto.:  v.l. EMG-Schulleiterin Gabriele Langner, Leiter der Secondary School Ilembula Vitus Mpogole und Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller