01. August 2017

Abschied nach 22 Jahren

Edith Spreng und ihre Schulweghelfer

Auch wenn es lustig und gesellig wie eh und je war, so war das diesjährige Jahresabschlussessen der Haarer Schulweghelfer doch etwas ganz Besonderes. Denn nach 22 Jahren hieß es Abschied nehmen für Edith Spreng. Sie, die sie gemeinsam mit Annemarie Hanika die Schulweghelfer ins Leben gerufen hat, gibt ab September die Leitung komplett ab. Ihre Nachfolgerin Eva Übermasser hat sie bereits ein Jahr lang in die Aufgaben eingearbeitet.

Ein wenig Rührung lag in der Luft, am lauen Sommerabend im Biergarten. Kleinere, sehr persönliche Geschenke wurden gezückt, Geschichten erzählt, Lach- und Tränchen der Rührung verdrückt. Im Rahmen der neongelben Westen und Kellen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine echte Gemeinschaft gebildet, selbst wenn immer wieder neue Mitglieder dazukommen und andere ausscheiden. Diesmal jedoch scheidet mit Edith Spreng die Seele der Schulweghelfer aus. Mit viel Humor und gerne auch mal ein wenig „hemdsärmeliger“ hatte sie die Truppe angeführt.

Ausgezeichnet

Auch Bürgermeisterin Gabriele Müller ließ es sich nicht nehmen zum „Danke sagen“ in den Biergarten zu kommen. Vor zwölf Jahren hatte die Gemeinde Edith Spreng schon mit der Goldenen Ehrennadel für ihr Engagement ausgezeichnet. Damals hat sie noch nicht ans Aufhören gedacht. Seit ein paar Jahren jedoch versuchte sie, ihr Ehrenamt abzugeben – aber so recht hätte sie bei ihren diversen Anläufen keiner ernstgenommen, berichtet sie lachend. Bis Eva Übermasser zur Truppe kam, die ihren Aufruf erhört hat und nun die Leitung übernimmt.

Mit Brieferl statt E-Mail

Edith Spreng erinnert sich noch gut an die Anfänge vor über zwei Jahrzehnten. Damals, im September 1995, wurde ihre Tochter eingeschult. „Und kurz davor fragt man sich dann, wie die Kinder eigentlich sicher zur Schule kommen“, sagt sie rückblickend. Noch dazu, weil sie in Unterhaar wohnte und ihr Mädel damit die vielbefahrene Vockestraße überqueren musste. Angefangen hat die Truppe damals zu acht und nur an besagter Bundesstraße – das hieß aber, dass jeder drei- oder viermal pro Woche mit der Kelle an der Straße stand. Schließlich wurden zu dieser Zeit auch alle Schulschlusszeiten betreut. Und die Kommunikation unter den Schulweghelfern lief nicht über E-Mail, die gab es damals schlichtweg noch nicht. „Wir haben Brieferl geschrieben und übers Lehrerzimmer und die Schüler zu den Eltern gebracht.“

Vieles verändert …

Bis zum heutigen Tag hat sich vieles verändert: Mittlerweile stehen regelmäßig um die 40 Schulweghelfer an sechs Stellen der Gemeinde, mit Ersatzleuten stehen über 50 auf der Liste. Die Schulschlusszeiten sind nicht mehr besetzt, denn die meisten Kinder gehen nicht heim sondern sind in Nachmittagsbetreuungen untergebracht. Und auch morgens werden immer mehr Kinder von den Eltern in die Schule gefahren – das vergrößere allerdings den Verkehr für die, die noch zu Fuß gehen oder mit dem Roller fahren.

Allerletzter Notnagel

Mit Wehmut schaut Edith Spreng nicht auf ihren Abschied zurück, auch wenn es „so schee war“, wie sie betont und alle – „sogar mei Polizist“ – sich verabschiedet haben. „Es wird Zeit, dass die das übernehmen, die selbst Grundschulkinder haben“, sagt sie. Ihre Tochter – die Auslöserin der Aktivität - sei mittlerweile schließlich 29 Jahre alt. Ob ihr Name trotzdem auf der Vertreterliste stehen wird? „Als allerallerallerletzter Notnagel“, sagt Edith Spreng lachend.

Zu Beginn des neuen Schuljahres werden an den Haarer Grundschulen wieder neue Schulweghelfer unter den Eltern geworben.