06. Juli 2018

Kommandantenwechsel

Es ist ein Ehrenamt wie kein anderes: die aktive Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr. Fast 100 Mitglieder zählt die Haarer Feuerwehr aktuell. Ab 1. Juli hat die Truppe einen neuen Chef: Dr. Arne Seifert ist der neue Kommandant. Er tritt die Nachfolge von Thomas Schwinghammer an, der nach zwölf Jahren im Amt, nicht mehr zur Wahl antrat.

Veränderungen

Über dreißig Jahre ist Thomas Schwinghammer schon Mitglied der Haarer Wehr. Insider erkennen das an den drei „X“ auf dem Uniformärmel. In den Jahren hat sich in der Feuerwehr so einiges verändert, weiß er zu erzählen. „Das fängt schon beim Stoff der Einsatzkleidung an. Früher war das ein einfacher Baumwollstoff, mittlerweile ist es eine schwer entflammbare Spezialfaser.“ Große Entwicklungsschübe gab es auch in der Technik, die jeder Aktive beherrschen muss. „Heute muss man deutlich mehr Wissen und Können vorhalten.“ Feuerwehrfahrzeuge kauft man nämlich nicht von der Stange. Jedes einzelne Fahrzeug wird individuell ausgestattet, auf die Bedürfnisse des jeweiligen Einsatzortes abgestimmt. Das sind zahllose weitere ehrenamtliche Stunden, die die Führungskräfte der FFH einbringen. Und dann braucht es natürlich die entsprechenden Schulungen. Jeder Handgriff muss sitzen, denn bei der Feuerwehr kommt es auf reibungslose Abläufe und auf jede Minute an.

In Sachen Technik ist der neue Kommandant ein Profi. Als promovierter Informatiker bei der Stadt München war er für die technische Ausstattung der neuen Integrierten Leitstelle (ILS) verantwortlich. Den Chefposten bei der Haarer Wehr hat sich der Quereinsteiger, der erst 2005 zur Truppe kam, gut überlegt. „Kameraden haben mich angesprochen, ob ich das Amt nicht übernehmen wolle, und Thomas hat mir seine Unterstützung zugesagt“, sagt Arne Seifert. „Ich wollte nicht mit aller Macht vorne stehen, aber ich habe gewisse Vorstellungen und bin bereit, mich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.“

Belastungen

Und Verantwortung haben die Feuerwehrler eine Menge. Über 320 Einsätze im vergangenen Jahr machen deutlich, dass ein beachtlicher Teil der Lebenszeit für das Ehrenamt eingesetzt wird. Dabei haben die Floriansjünger in Haar besondere Gefahrenstellen zu sichern: Autobahn, Bahn-Strecke, Bundesstraßen, höhere Häuser und Gewerbebauten. Thomas Schwinghammer erzählt von zwei besonders prägenden Ereignissen, die ihn an den Rand der psychischen Belastbarkeit brachten: Ein Unfall auf der Autobahn, bei dem ein junger Mann sich mit seinem Auto regelrecht um die Leitplanken wickelte, und ein Einsatz am S-Bahnhof am Faschingsdienstag mit Personenschaden. „Wenn der Piepser losgeht, springt man ins Auto. Erst an der Einsatzstelle habe ich gemerkt, dass ich noch geschminkt war. Da fühlte ich mich grauenhaft.“ Auch Arne Seifert kennt diese Situationen schon. Er war zur Stelle bei dem tödlichen Unfall eines Schülers an der Blumenstraße vor ein paar Jahren. Ein LkW-Fahrer hatte den Jungen beim Abbiegen übersehen. Einen Notfallseelsorger gibt es für die Feuerwehren im Landkreis, der nach so belastenden Einsätzen zur Hilfe gerufen werden kann. „Erst seit etwa 15 Jahren ist die psychische Belastung im aktiven Dienst kein Tabuthema mehr und man geht jetzt auch in der Ausbildung darauf ein.“ Ganz wichtig, betonen beide, ist das miteiander Reden in der Mannschaft, um das Erlebte zu verarbeiten.“

Herausforderungen

Dass es ihm gelungen ist, den Teamgeist hoch zu halten, darauf ist Thomas Schwinghammer ein bisschen stolz. „Alle notwendigen Veränderungen konnte ich nur mit Unterstützung der Mannschaft umsetzen.“ So will es auch sein Nachfolger handhaben. Dass auf die Haarer Wehr neue Herausforderungen warten, darin sind sich Seifert und Schwinghammer einig. Der neue Jugendstilpark, der zunehmende Verkehr und auch die immer dichter bebauten Grundstücke erfordern mehr Einsatz und neue Gerätschaften. Die Gelder für die Anschaffung der Ausstattung muss der Gemeinderat zur Verfügung stellen. Knapp 4 Millionen Euro sind in der Amtszeit von Thomas Schwinghammer in die Sicherheit der Haarer Bürgerinnen und Bürger investiert worden. „Man hofft ja immer, dass der Ernstfall nicht eintritt. Wenn er kommt, muss man jedoch gerüstet sein.“

Dazu zählt auch die Diskussion um den zweiten Feuerwehrstandort in der Blumenstraße. „Den brauchen wir unbedingt“, sagt der neue Kommandant. „Es ist nicht motivierend für unsere Mitglieder, wenn sie bei einem Großteil der Einsätze zu spät zur Wache kommen, weil sie im Verkehr stecken bleiben.“ Der Bau der zweiten Wache wird eines der großen Themen sein mit der Gemeinde. Den ersten Termin des neuen Kommandanten mit der Bürgermeisterin gibt es schon.

Ute Dechent