06. Juni 2017

Zenta Kascherus feiert ihren 100. Geburtstag

Mit viel Humor und Fleiß durchs Leben

Über 90 Jahre ist es her, dass Zenta Kascherus eine Entscheidung getroffen hat. Als sie im Kindesalter schwer krank war und ihr der Arzt nur noch drei Tage zu leben gab, fragte die Kleine ihre Mutter, was der Arzt denn gesagt hätte. Deren tränenreiche Antwort: „Der Herr Doktor hat gfragt, ob Du a Engerl wern wuist.“ Die Antwort war ganz klar. „Nein. Des will i ned.“ Jetzt konnte Zenta Kascherus ihren 100. Geburtstag feiern.

Am 8.Mai 1917, mitten während des ersten Weltkriegs, erblickte Zenta Kascherus in Landshut das Licht der Welt. Ihr Leben stand zu Beginn nicht unter einem besonders guten Stern: Mit 8 Jahren kämpfte sie sich gegen eine schwere Krankheit im Schwabinger Krankenhaus zurück ins Leben. Mit Erfolg. Mit 17 Jahren zog sie weg aus ihrem Heimatort Mirskofen bei Landshut in die Landeshauptstadt. Doch dann kam schon der nächste Krieg und die Familie wurde nach Pastetten evakuiert. Ganz hat sie ihre Heimat aber nicht losgelassen und so ging sie nach Kriegsende 1945 zurück nach Mirskofen, damals dann schon mit ihrer kleinen Tochter Hannelore, deren Vater noch in Kriegsgefangenschaft war.

Eine große Portion Humor

Hannelore Deutlmoser erinnert sich gerne an die Kindheit bei ihrer Mama – obwohl die immer fleißig gearbeitet hat, in Keks- und Kartonagenfabriken oder in der Poststelle einer Schmuckfirma. Eigentlich wäre sie gerne Schneiderin geworden – aber für eine solche Ausbildung hat es zur damaligen Zeit einfach nicht gereicht. Das hat Zenta Kascherus ihren ausgesprochenen Spaß am Leben nicht verdorben. „Meine Mama ist wirklich sehr humorvoll. Sie hatte schon immer einen sehr trockenen Humor und Sprüche auf Lager, die bis heute alle unterhalten“, erklärt Tochter Hannelore. Mittlerweile sind es die Schwestern und Pfleger im Haarer Maria Stadler Haus, die sich an der lustigen Art der alten Dame erfreuen dürfen.

Eine der drei ältesten Bewohner im Maria Stadler Haus

Schon seit den 90er-Jahren lebt Zenta Kascherus in Haar. Sie ist ihrer einzigen Tochter hinterhergezogen, die die Liebe 1970 in die Landkreisgemeinde verschlagen hat. Als Zenta Kascherus Ehemann Ende 2014 verstorben ist, ist sie ins örtliche Seniorenheim umgezogen. Hier fühlt sie sich wohl, auch wenn sie manchmal sagt, dass hier ja „nix los wäre“. „Lauter alte Frauen“. Dabei ist sie mit ihren 100 Jahren eine der drei ältesten Bewohnerinnen im Maria-Stadler-Haus. Hannelore Deutlmoser besucht ihre Mutter täglich, sie drehen jeden Tag ihre Runden – mal mit dem Rollstuhl, an guten Tagen geht Zenta Kascherus noch selbst mit dem Rollator. Besonders gute Tage hat die Jubilarin, wenn die beiden Enkelsöhne mit ihren Frauen und den fünf Urenkeln vor der Tür stehen.

Plan umgesetzt

Beim Jahrhundert-Geburtstag waren nun viele Gratulanten anwesend - auch Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller kam zu Besuch. Und die Jubilarin war in bester Stimmung. Kein Wunder - ist doch ihr langgehegter Plan aufgegangen: „Meine Mama hat schon immer gesagt – zu uns und ihren Enkelkindern – dass wir ihr die Daumen halten sollen. Denn sie will 100 werden“, erzählt ihre Tochter lachend. Dieses Ziel hat sie nun erreicht. Zeit, sich ein neues zu stecken.

 

Das Bild zeigt die Jubilarin Zenta Kascherus umringt von (v.l) Klaus Stierstorfer (Hausleiter Maria Stadler Haus), Peter Reitberger (Pflegedienstleiter Maria Stadler Haus), Gabriele Müller (Bürgermeisterin Gemeinde Haar), Hannelore Deutlmoser (Tochter).

 

Claudia Erl