06. Juni 2016

Andrea Weber für Paul Wieser

„Ich werde Dich sehr vermissen.“ Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller sprach sicher allen anderen Gemeinderäten aus dem Herzen, als sie diese Worte zu Paul Wiesers Abschied fand. Der CSU-Gemeinderat verließ auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen das Gremium, nach über 20 Jahren. Seinen Platz nimmt jetzt Andrea Weber ein, die am gleichen Abend in ihrem Ehrenamt vereidigt wurde.

Noch einmal hatte er am großen runden Tisch im Sitzungssaal Platz genommen, besser gesagt: Er wurde noch einmal „hinzitiert“, da der 49-jährige Gronsdorfer Landwirt bereits automatisch in den Zuschauerreihen seinen Platz suchte. Eigentlich ist ihm so ein Aufheben um die eigene Person unangenehm. Doch so einfach wollte ihn dann auch niemand gehen lassen. Er hat sein Amt mit viel Herzblut ausgeübt, war stets bestens vorbereitet und nah an den Themen – konstruktiv auch in schwierigen Diskussionen. „Das zeugt von Größe und einer wohltuend demokratischen Art“, betonte die Bürgermeisterin in ihrer Rede.

Großes Lob aus den Fraktionen
Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Zill sprach davon, dass Paul Wieser es immer verstanden habe, seine Prioritäten richtig zu setzen – das beweise er jetzt auch mit der Entscheidung für die Familie. Wieser habe es geschafft, dass der Gemeinderat ein Kollegialorgan war. „Und so komisch es aus dem Munde der SPD klingt, wir würden uns sehr freuen, Dich hier wiederzusehen“.

Werner Kozlik fand für die Fraktion der Grünen ebenfalls nur lobende Worte – obwohl der Erstkontakt eher verhalten gewesen war. „Die Grünen bezeichnete Paul Wieser eher als Chaotenhaufen“, erinnert sich Kozlik schmunzelnd an das erste persönliche Gespräch mit Wieser. Doch der gegenseitige Respekt sei von Jahr zu Jahr gestiegen. Und Paul Wieser avancierte gar zum „ grünen CSU-Lieblingsgemeinderat“.

Der 3. Bürgermeister Thomas Reichel wollte für die CSU keine Abschiedsrede halten, weil die Fraktion davon ausgeht, dass Paul Wieser ihnen verbunden bleibt und wieder in den Gemeinderat zurückkehren wird. „Du bist ja schon fast sowas wie ein Urgestein hier“, sagte Reichel. Und er sei sich sicher, dass Paul Wieser auch ohne seinen Sitz im Gemeinderat Ansprechpartner für die Gronsdorfer bleiben werde.

Beliebt bei der Bevölkerung
Bei den Haarer Bürgern war Paul Wieser tatsächlich immer ganz vorne mit dabei: Im Juni 1995 saß er zum ersten Mal im Gemeinderat in Haar, er war ständiges Mitglied im Bauausschuss, stand auch mit dem Rathaus - und dabei vor allem mit der Bauabteilung - in engem Kontakt.

Dank von Paul Wieser
Für die guten Wahlergebnisse und das Vertrauen, das ihm die Haarer Bürger immer entgegengebracht haben, bedankte sich Paul Wieser dann auch. Der Abschied falle ihm persönlich sehr schwer – auch wenn das Amt durchaus „mal mehr und mal weniger Spaß“ gemacht habe. So viel Lob sei ihm regelrecht peinlich, betonte der scheidende Rat – er empfinde seinen Einsatz als normal. Ob er für die nächste Legislaturperiode wieder zur Verfügung steht, hielt sich Wieser offen. Das könne durchaus sein – je nachdem, wie sehr ihn seine Familie braucht, sagte er

Andrea Weber vereidigt
Bei all den Abschiedsworten ging jedoch das Willkommen nicht unter: Andrea Weber rückte für Paul Wieser in den Gemeinderat nach. Auch sie ist für die Haarer Bürgerinnen und Bürger kein unbekanntes Gesicht. Andrea Weber ist gebürtige Haarerin und ehrenamtlich aktiv – vom TSV bis zu den Böllerschützen. Sie ist stellvertretende Ortsvorsitzende der Frauenunion und im Ortsverband der CSU tätig. Nun leistete sie ihren Schwur für den Gemeinderat – und wird in Zukunft nicht nur an der großen Runde teilnehmen, sondern auch ordentliches Mitglied im Haupt-, Umwelt- und Werkausschuss. Außerdem wird sie einen Platz im Zweckverband EMG einnehmen.

Bildunterschrift:

Neben verschiedener Lektüre und einigen Weinflaschen freute sich Bürgermeisterin Gabriele Müller, dem langgedienten Gemeinderat Paul Wieser auch noch Blumen und eine Goldmünze überreichen zu dürfen. Für Andrea Weber gab es natürlich einen Willkommensstrauß.

Claudia Erl