05. Februar 2019

Wirtschaftsstandort Haar untersucht

Gewerbeentwicklungskonzept angestoßen

Das Gewerbe ist der Sprit einer Gemeinde: Es füllt den Tank, aus dem die kommunalen Aufgaben gespeist werden. Eine große Firma verlässt Haar 2021. Die Gemeinde will und muss sich also als Unternehmensstandort weiter entwickeln, will man an der Dynamik der Boomregion München weiter teilhaben. Aber Haar hat kaum noch freie Flächen. Was also tun? Gemeinsam mit dem Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hat die Gemeindeverwaltung nun dem Gemeinderat ein Gewerbeentwicklungskonzept vorgelegt.

Ein Plus an 2.000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2030 – das ist die Vision, die der Planungsverband für die Gemeinde Haar aufgesetzt hat. Carola Seis, Daniel Gromotka und Andreas Marx trugen dem Gemeinderat die Ergebnisse in einer Sondersitzung vor.

Die Bestandsaufnahme

Bislang gibt es in Haar 9.643 Arbeitsplätze, wobei in den letzten 12 Jahren gut 1.800 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse dazukamen: Auch die Bevölkerungszahl ist in diesem Zeitraum größer geworden: Gut 3.000 neue Mitbürger*innen gibt es seit 2005 – das entspricht einem Wachstum von 1,3 %. Auf 1.000 Einwohner kommen so mittlerweile 459 Arbeitsplätze. Damit ist die Arbeitsplatzdichte höher als der bayerische Durchschnitt, allerdings liegt sie für eine Kommune im wachsenden Großraum München noch etwas unter dem Durchschnitt. 80 % der Haarer*innen pendeln aus, das heißt, sie arbeiten außerhalb der Gemeinde, 82 % der Haarer Arbeitsplätze werden von Einpendlern eingenommen.

In Haar dominiert mit einem Anteil von 80 Prozent der Dienstleistungssektor: Dabei ist der öffentliche Dienst bedingt durch die Klinik überdurchschnittlich vertreten.14 Prozent sind im Handels-, Verkehrs- und Gastgewerbesektor angesiedelt und rund acht Prozent ist produzierendes Gewerbe.

Die Umfrage

Wie beurteilen die ansässigen Firmen den Wirtschaftsstandort Haar? Eine Unternehmensbefragung zeigt, dass die Zufriedenheit mit und in der Gemeinde groß ist: Gut 80 Prozent der teilnehmenden Unternehmen, würden sich wieder in Haar ansiedeln und empfehlen die Gemeinde als Standort weiter. Problemfelder haben die Firmen dennoch: Die Mitarbeitergewinnung bzw. –bindung, die allgemeinen Kosten und auch der Wettbewerbsdruck machen zu schaffen. 16 Unternehmen meldeten Bedarf an zusätzlichen knapp 5000 qm Fläche bis 2025 in Haar an.

Die Entwicklungsmöglichkeiten

Welche Optionen sind vorstellbar? In ihren Leitlinien spricht sich die Gemeinde dafür aus, Gewerbe nicht auf der grünen Wiese anzusiedeln, sondern innerörtlich. Schon jetzt sei der Boden vorbildlich effizient genutzt, ohne die Erholungsflächen einzuschränken, lobt der Planungsverband. „Wohnen und Arbeiten. Seite an Seite.“ solle auch weiter gelten. Sechs der sieben überprüften Optionen sind daher Weiterentwicklungen und keine Neuausweisungen. „Hochwertiges Gewerbe“ sieht der Planungsverband vorrangig mit hoher Wertschöpfung – Büros für viele Arbeitnehmer*innen mit wenig Flächenverbrauch.

Die Dörfer & der Bahnhof Gronsdorf

Die Dörfer haben für die Planer mittel- bis langfristig nur kleines Entwicklungspotenzial: kleingewerbliche und bedarfsorientierte Nutzungen sind vorstellbar, ansonsten wird ein Ausbau der Dörfer nicht gewünscht. Lediglich am S-Bahnhof Gronsdorf sind neben dem Schulcampus auch Büronutzung und Einzelhandel vorstellbar.

Eglfing West & nördliche Leibstraße

Wissensintensive Dienstleistungen, auch aus dem Gesundheitsbereich, sieht der Planungsverband für Eglfing. Unter der Marke „Workside Haar“ bietet die Gemeinde hier in Übereinkunft mit dem Bezirk Oberbayern ein 20.000 qm großes Grundstück an. Durch eine mögliche Verlegung des Baseballplatzes könnte eine weitere erstklassige Fläche entwickelt werden. Bürogebäude mit Campus-Charakter empfehlen die Planer, wegen der großen Nachfrage und weil sie die Lebendigkeit des Viertels weiter fördern.

Die Blumenstraße

In der Blumenstraße – dem einzigen Areal, das der Gemeinde gehört – könnte sich neben dem Zweitstandort für die Freiwillige Feuerwehr auch vielfältigstes Gewerbe  niederlassen.

Die Peter-Henlein-Straße

Besonderes Potenzial hat Bahnseite der Peter-Henlein-Straße. Für das derzeit verkehrsintensive Gewerbe bietet sich der Bereich eigentlich nicht an. Schon heute sind die Lkws dort mit der Zufahrt des Gebiets nicht gut kompatibel. Statt der Hallenstruktur schlagen die Experten deshalb mehrgeschossige Bürogebäude vor, fußläufig gut vom Bahnhof Haar zu erreichen, beispielsweise für den IT-Bereich.

Die Hans-Pinsel-Straße

Hier besteht bereits ein urbanes Gewerbeviertel, das ergänzt und aufgewertet werden könnte. Umnutzungen im Bestand für Kreativschaffende, Startups und Coworking seien denkbar und die gemischte Funktion aus Nahversorgung, Freizeit und Arbeit sei noch ausbaufähig.

Die Finckwiese

Lediglich die sogenannten Finckwiese, eine insgesamt 15 Hektar große Fläche an der Ecke B471/B304 stellt eine mögliche neue Neuentwicklung dar. Hier sollte groß gedacht werden: ein Premium-Business Campus mit einem einzigen großen Unternehmen – wie 2016 die Anfrage von BMW.

Grundlagen sind da – jetzt sind Pläne gefragt

Der Gemeinderat ist nun aufgerufen, Bestandsanalyse, Bedürfnisse, Wünsche und Vorschläge aufzugreifen und eine Vision für den Wirtschaftsstandort Haar zu erarbeiten. Dass Bedarf an Gewerbeflächen besteht, da sind sich die Planer sicher. Abwandernde Unternehmen aus der Landeshauptstadt könnten eine Zielgruppe sein: Der Planungsverband rät deshalb auch zu einer interkommunalen Zusammenarbeit.

Die guten Noten des Planungsverbands für den Unternehmensstandort Haar, sind Ansporn für Bürgermeisterin Gabriele Müller: „Wir sind auf einem guten und richtigen Weg mit unseren langjährigen Planungsgrundsätzen und auch mit der Workside-Kampagne. Jetzt müssen wir auf dem Erreichten aufbauen, um unsere Attraktivität zu sichern und weiter zu steigern.“ Auch für die Gemeinde gelte der Grundsatz „Konkurrenz schläft nicht“. Verbessert werden soll deshalb neben des Flächenangebots auch der Austausch zwischen Rathaus und Gewerbe. Ein Wunsch vieler Unternehmen, der bald erfüllt werden kann. Ab März bekommt die Gemeinde Verstärkung in der Wirtschaftsförderung.