04. Dezember 2015

Mit dem E-Auto einkaufen

Ein Arztbesuch, ein größerer Einkauf, ein Besuch bei der Verwandtschaft oder bei Freunden: Für ältere Menschen oder Leute mit (vorübergehenden) Handicaps können alltägliche Wege schon zum Problem werden. Gerade wenn sie im fortgeschrittenen Alter auf das eigene Auto verzichten wollen oder die Gesundheit es nicht zulässt, sich hinters Steuer zu setzen. Die Gemeinde Haar will genau für diese Personen demnächst ein Pilotprojekt starten: Einen Fahrservice im Rathaus. Das Auto: ein Elektromobil, gesponsert von den Gemeindewerken.

Zwei Euro pro Fahrt, ein Elektrofahrzeug mit geräumigen Kofferraum für Gehhilfen oder Einkäufe, ein Fahrer, ein Anruf – so unkompliziert soll der neue Fahrdienst der Gemeinde Haar in Zukunft laufen. „Dieser Service soll allen Bürgern, die aufgrund einer körperlichen Einschränkung den Personennahverkehr oder das eigene Auto nicht nutzen können, die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen“, betont Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller in der Oktobersitzung des Gemeinderates. „Auch wenn viele unserer Viertel seniorengerecht sind, das heißt, dass von Einkaufsläden bis Arzt alles fußläufig in 15 Minuten erreichbar ist, so sind es eben nicht alle. Außerdem können 15 Minuten zu Fuß auch schon deutlich zu viel sein“, erklärte die Bürgermeisterin in der Oktober-Gemeinderatssitzung.

10 Fahrten pro Tag prognostiziert
Das Auto, ein Nissan eNV200, wird nun bestellt. Finanziert wird es von den Gemeindewerken. Die Fahrer müssen einen Personenbeförderungsschein vorweisen. Während der Startphase sollen die Hausmeister der Gemeinde den Fahrdienst unterstützen. Man rechnet in Haar mit etwa 10 Fahrten am Tag, diese Zahl basiert auf den Erfahrungswerten benachbarter Kommunen, die diesen Service schon länger anbieten. Die Fahrten können von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr gebucht werden, sie sollen über das Gemeindegebiet nicht hinausgehen und pauschal 2 Euro kosten.

Diskussion im Gremium
Einen Haarer Fahrdienst einzurichten, das sah der Gemeinderat durchgängig als gute Sache – und trotzdem gab es Diskussionen und Gegenstimmen: So sieht Dr. Dietrich Keymer die Verwaltung als falschen Anbieter für diesen Dienst, er hält andere Institutionen wie die Nachbarschaftshilfe in Haar für geeigneter. Hier war Gabriele Müller schon vorstellig geworden. Im Moment hat man bei der NBH kein Interesse signalisiert. Trotzdem mahnte Ton van Lier dringend einen runden Tisch aller Haarer Institutionen im Senioren-Bereich an, um sich besser koordinieren zu können. Das sagte die Bürgermeisterin gerne zu. Werner Pfanzelt regte an, auf das Fahrentgelt zu verzichten, da dann der Fahrer keinen Personenbeförderungsschein besitzen muss – doch genau auf den will Bürgermeisterin Gabriele Müller nicht verzichten.

Auf den Weg gebracht
Auf Vorschlag von Ingrid Fäth änderte man die Formulierung, wer diesen Fahrdienst in Anspruch nehmen kann von „Menschen mit dauerhafter oder vorübergehender Gehbehinderung“ zu „Menschen mit körperlichen Einschränkungen“, um tatsächlich alle anzusprechen, denen Fußwege schwerfallen. Manuela Fürnrieder gab zu überdenken, ob man nicht auch mal Fahrten über Haar hinaus anbieten könnte. Auch das wird geprüft. Mit sechs Gegenstimmen aus der CSU-Fraktion, die den ersten runden Tisch der Institutionen abwarten wollten, beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung den Haarer Fahrdienst einzurichten.

Claudia Erl