04. Mai 2017

Räumliche Qualität und Funktionalität

Am Nordzugang des Haarer S-Bahnhofs wird schon gebaut. Wenn alles glatt geht, kommt im nächsten Frühjahr der Südzugang dran und im Sommer 2018 kann auch die Bahnsteigunterführung künstlerisch in Wert gesetzt werden. In der jüngsten Sitzung beschloss der Gemeinderat einstimmig den Entwurf von Jochen Scheithauer umzusetzen. Der Münchner Künstler ging als Sieger aus einem eingeladenen künstlerischen Wettbewerb hervor. Statt farbenfroher Glaswände wird künftig eine minimalistische Fliesengestaltung in hellgelb und hellgrün die Wände der Fußgängerunterführung zieren. Die Bahn stimmt dem Entwurf zu. „Die Zusage habe ich schriftlich“, freute sich Bürgermeisterin Gabriele Müller.

Die Suche nach einer guten und praktikablen Lösung für die Fußgängerunterführung war langwierig und mit Herausforderungen gespickt. Die Glasinstallation der Haarer Künstlerin Gabriele v on Ende-Pichler konnte nicht umgesetzt werden, weil die Bahn verlangte, dass die Elemente jederzeit abnehmenbar sein müssten, was einerseites höhere Kosten bedeutete und andererseits den Tunnel so verschmälert hätte, dass die Mindestbreite nicht mehr gewährleistet gewesen wäre. Im November 2015 kam das endgültige Aus von der Bahn. Im Februar 2016 schrieb der Gemeinderat einen Kunstwettbewerb aus - dieses Mal nach strikten Vorgaben der Bahn: Als Grundmaterial Fliesen oder Wandfarbe, keine Spiegelflächen, glatte Standardfliesen mit Nachkaufgarantie und leicht zu reinigen..„Es war der Kunstwettbewerb mit den strengsten Auflagen, den wir je aufgesetzt haben“, sagte Ute Dechent, persönliche Referentin der Bürgermeisterin und im Rathaus zuständig für Kunst im Öffentlichen Raum.

Fünf Arbeiten wurden eingereicht. Scheithauers Fliesenarbeit hat letztlich Kunstsachverständige wie Kommunalpolitiker überzeugt durch ihre räumliche Qualität und ihren offenen Gestaltungsrahmen. Freundlich, hell und mit klarem Bezug zur Gemeinde, so wird sich die Unterführung den Fahrgästen präsentieren. Die vielen Unebenheiten und Versprünge im Tunnel kann auch die Kunst nicht heilen, aber sie kann sie gekonnt überspielen.

Scheithauer ist ein Vertreter der konkreten Kunst. In seinem Enwurf lehnt er sich in Farbe und Form an das gemeindliche Logo an. Jede Farbfläche hat ein klar gesetztes, aus farbigen Fliesen geschnittenes Zeichen, das Bewegungsabläufe charakterisiert. Die Decke ist durchgehend weiß, die Stirnseite im Süden bleibt es ebenfalls. Die vom Architekturbüro Goergens + Miklautz vorgeschlagenen Edelstahlportale ergänzen die Gestaltung. Sie bilden den Durchgangsrahmen zu den weiß gefließten Bahnsteigaufgängen und fördern so den konzeptionellen Gesamteindruck. Wichtig für S-Bahnnutzer wie für die Bahn: Die reduzierte künstlersiche Gestaltung unterstützt das Wegeleitsystem der Deutschen Bahn und die Funktionalität.

Die Gemeinde ist ihrem Ziel, den Bahnhof zur Visitenkarten für Haar zu machen, wieder ein Stück näher gekommen.

 

Ute Dechent