04. Februar 2019

Was will die Haarer Jugend?

Die Ergebnisse der Jugendbefragung 2018

Einmal im Jahr bekommt die Erwachsenenwelt ein bisschen Einblick in das Leben der Jugendlichen – dann nämlich, wenn das Jugendwort gekürt wird. Wer es verstehen will, muss sich meist bei den Experten erkundigen: bei den Jugendlichen selbst. Direkt fragen, so hat es auch die Gemeinde Haar gemacht. Wer Jugendarbeit plant und finanziert, muss wissen, was die jungen Leute wollen. Im letzten Oktober führte sie deshalb eine Jugendbefragung durch. Das Ergebnis liegt jetzt vor.

2.700 Jugendliche gibt es in Haar – und 661 von ihnen haben sich zwischen dem 8. und 15.Oktober an den Rechner oder das Handy gesetzt, um 18 Fragen online und anonym zu beantworten, Das entspricht fast einem Viertel der Zielgruppe – ein wirklich bemerkenswerter Rücklauf. Nicht minder bemerkenswert ist die Ernsthaftigkeit, mit der sich die allermeisten Jugendlichen den Fragestellungen widmeten. Die stärkste Altersgruppe lag mit 91 Prozent der Teilnehmer*innen zwischen 12 und 18 Jahren, es antworteten genauso viele Mädchen wie Jungs, über die Hälfte besuchen das Gymnasium, ein Viertel Mittelschule und Realschule.

Sehr zufrieden mit Haar

Natürlich gab es auch die eine oder andere Spaßantwort in den Antwortzeilen - doch wie sehr die Jugendlichen an ihrer Heimatgemeinde hängen, zeigt schon die Zufriedenheit: 78,8 % sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit Haar. Sie schätzen die Lage der Gemeinde, so nah an der Stadt, trotzdem grün und überschaubar. Dazu gehört für sie eine gute S-Bahn-Anbindung. Überhaupt mag die Jugend die Infrastruktur von Haar, findet das Freibad, die Jugendtreffs, das Kino, aber auch die Vereine und die Veranstaltungen toll. Dennoch stehen ganz oben im Ranking der Zusammenhalt, die Gemeinschaft und Offenheit der Menschen hier sowie die Ruhe, die Natur und die gute Luft. Diese „erwachsenen“ Antworten sind sicherlich eine Überraschung für die Erwachsenenwelt.

Trotzdem lange Wunschliste

Aber natürlich gibt es auch Wünsche: Mehr öffentliche Plätze, an denen sich die Jugend treffen kann, bezahlbare Konzerte, Partys und neue Cafés oder Bars - die Lust auf eigene Jugendkultur ist groß. Im öffentlichen Nahverkehr gibt es aus Sicht der jungen Leute noch Defizite, vor allem nachts wird eine bessere Anbindung gewünscht.

Was ist mit Mitgestaltung?

Bei all den Anliegen: Wie wäre es, wenn die Jugendlichen selbst in der Gestaltung der Gemeinde mitsprechen? Das Interesse für Politik ist tatsächlich mäßig: Nur 4,4 Prozent sind aktiv, gerade einmal 29 Prozent könnten sich vorstellen, sich zu engagieren – wenn die Themen interessant sind, die Zeit da wäre oder es Geld dafür gäbe.

Zeitlich eingespannt

Apropos Zeit: Für die Gemeinde ist es auch sehr aufschlussreich zu sehen, wie die Jugendlichen zeitlich eingebunden sind. Zwar haben 61 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal pro Woche vor 14 Uhr Schule aus, dennoch sind sie für Angebote unter der Woche weniger offen als an den Wochenenden und in den Ferien. Freunde treffen (97%) aber auch Online-Aktivitäten (61%) stehen ganz weit oben auf der Liste ihrer Freizeitaktivitäten. Aber auch aktive Hobbies von Lesen bis Sport sind beliebt und weit verbreitet. 17 % der Befragten besuchen die Haarer Freizeitheime, wobei alle drei Einrichtungen in etwa die gleiche Quote haben.

Zielstrebig und achtsam

Die Mehrheit der Haarer Jugendlichen ist sehr zielstrebig in Sachen Schulausbildung, Studium, Berufsausbildung unterwegs (wichtig für 66 %). Rauchen, Trinken und Drogen spielen kaum eine Rolle, viele geben an, auf ihre Ernährung zu achten, bio und fairtrade zu kaufen – obwohl bei den freien Antworten die typische Teenager-Liebe zu Fastfood auch erkennbar ist.

Offene Kommunikation ausbauen

Die Umfrage ist als absoluter Erfolg zu werten: Durch die hohe Beteiligung, die unter anderem aufgrund des großen Engagements der Sozialarbeiter*innen der Schulen sowie der Jugendeinrichtungen zustande kam, können die Ergebnisse durchaus als repräsentativ betrachtet werden. „Wir wollen die offene Kommunikation mit den Jugendlichen weiter verbessern“, erklärt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Möglich wäre das zum einen, indem man ein Online-Medium nutzt, auf dem auch die Jugend aktiv ist. Durch regelmäßigen Austausch, sowohl mit den Trägern der Jugendarbeit als auch mit den Jugendlichen selbst, sollen die Angebote für Jugendliche immer wieder neu angepasst werden. „Natürlich sind die Jugendlichen eingeladen, sich aktiv an der Gestaltung von Jugendkultur in Haar zu beteiligen. Außerdem bieten wir an, eine Jugend-Sprechstunde im Rathaus einzurichten und falls es gewünscht wird, auch ein Jugendparlament“, betont die Bürgermeisterin. Denn die Gemeinde Haar will auch weiterhin wissen, was ihre Jugend will und braucht, was sie gut findet und was sie nicht ausstehen kann - damit sie auch die richtigen Entscheidungen trifft, wenn es um die Lebenswelt der Jugend in Haar geht.