25. Juni 2015

Geschichtsreise im Rathaus

Was war vor 1.000 Jahren? Wie sah unsere Heimat damals aus? Wie waren die Menschen? Wie haben sie gelebt? Und wovon? Wie es in Salmdorf zuging vor einem Jahrtausend, davon kann man sich derzeit im Rathaus der Gemeinde Haar ein kleines Bild machen. Die Ausstellung, die anlässlich des Salmdorfer Jubiläums zusammengestellt wurde, läuft noch bis zum 18. Juli 2015.

Nicht nur Ahnenforscher sind brennend daran interessiert, Antworten zu ihren Wurzeln zu bekommen: Welches Kind sitzt nicht mal gespannt da und lauscht dem Opa oder der Oma, die Geschichten von früher erzählen? So in etwa könnte man auch die Stimmung beschreiben, die während der Vernissage im Rathaus herrschte: Gemeinsam standen die Besucher – viele, aber nicht ausschließlich Salmdorfer – vor den Exponaten, studierten Zeichnungen und Schriften, betrachteten alte Bilder. Besonders die bereits ältere Generation war ein gesuchter und beliebter Gesprächspartner.

Lange Geschichte, viele Exponate
Doch zunächst begrüßte Bürgermeisterin Gabriele Müller die zahlreichen Vernissage-Gäste. Insgesamt 35 Schautafeln und 60 Exponate hatte die gemeindliche Archivarin Kirsten Stahmann zusammengetragen, wobei ihr Weg sie nicht nur ins gemeindliche Archiv führte: Sie stöberte auch in den Staatsarchiven. Und es wurden Beweise gesammelt, dass es in Salmdorf schon viel länger als vor 1.000 Jahren Besiedlung gab: Alte Gefäße, die aus der Zeit 800 bis 500 vor Christi stammen, wurden auf der Flur des heutigen Dorfes entdeckt. Doch die erste urkundliche Erwähnung war eben erst 1015 nach Christus – damals, als Ritter Dietram einen Hof im Ort „Sallandorf“ an das Kloster Ebersberg verschenkte, damit Gott seiner Seele Ruhe gab. „Im frühen Mittelalter war es ziemlich ruhig um Salmdorf – doch dann ging es rund“ erklärte Gabriele Müller schmunzelnd.

Viel lernen von den „alten Salmdorfern“
Wie rund es ging, das kann man zum einen in der Ausstellung sehen und zum anderen natürlich auch in der Chronik des Dorfes nachlesen. Die Ausstellungseröffnung war auf jeden Fall bereits eine gelungene Veranstaltung – und man konnte als „Nicht-Salmdorfer“ viel lernen: Da gab es eine Eisbahn unter den alten Kastanien vorm Wirt – und die Bäume stehen heute noch. Es gab besonders gefährliche und holprige Kurven im Ort, die die Jugend gerne mit höherer Geschwindigkeit passierte. Und natürlich war die Nähe zum Flughafen und der damit verbunden Lärm ein Thema – denn wenn man die Luftbilder genauer studierte, sah man, dass Salmdorf nur wenig hundert Meter von den Start- und Landebahnen entfernt lag. Wohl einer der Hauptgründe dafür, dass sich der Ort lange Zeit kaum verändert hatte. Auch die Aufzeichnungen eines alten Lehrers waren Gesprächsstoff: Schon vor vielen Jahrzehnten stand auf dem Lehrplan das Thema „Was ist Heimat“. „Das lernen die Kinder heute noch“, freute sich Bürgermeisterin Müller.

Über zwei Etagen
Auch wenn man in den nächsten Wochen wohl nicht ständig einen Salmdorfer im Rathaus antreffen wird, der einem Anekdoten zu den ausgestellten Exponaten erzählen kann, so lohnt es sich auf jeden Fall, die Ausstellung zu besuchen. Sie ist sowohl im Foyer des Rathauses, sowie in den Gängen des Erd- und Zwischengeschosses und der ersten Etage aufgebaut. Geöffnet ist die Ausstellung während der Rathaus-Öffnungszeiten.

Claudia Erl