01. Juli 2016

Die Burschen starten durch

„Das Beste kommt zum Schluss.“ Da sind sich die Haarer Burschen einig. Schließlich sind sie der derzeit jüngste Verein in der Gemeinde Haar. Und dabei durchaus selbstbewusst. Zu Recht. Denn schon jetzt, nach nicht einmal drei Monaten, gibt es ambitionierte Pläne. Und eine stetig wachsende Mitgliederzahl.

Burschenvereine anderenorts feiern bereits ihr 50-, wenn nicht gar 100-jähriges Bestehen. Keine Frage: Die Gemeinschaft unverheirateter Männer hat Tradition in Bayern. Lange Tradition. In Haar hatte es bislang mit so einer Vereinigung nicht geklappt. Dabei habe es durchaus schon mehrere Anläufe gegeben, manche schon vor Jahrzehnten, wie der 1.Vorsitzende Markus Weber weiß. Die in Frage kommenden jungen Männer waren allerdings meist schon in anderen Vereinen sehr aktiv eingebunden, das Interesse war dadurch einfach zu gering. Doch das hat sich in diesem Jahr geändert. Eigentlich war der Maibaum der Startschuss.

Gründung im Maibaum-Wachzelt
Hier hatten sich einige junge Männer zur Unterstützung der Maibaumfreunde angeboten. Und als dann immer wieder Leute bei den Maibaumwachen ausgefallen sind, waren diese Burschen häufiger rund um den Baum beim Poststadl anzutreffen. Am 24. April dann trafen sich ganze 22 von ihnen im Wachzelt. „Wir kamen mit Satzung, Mitgliedsanträgen und einem Schuhkarton“, erklärt Martin Zellner lachend. Irgendwo mussten die Wahlzettel schließlich gesammelt werden. Und tatsächlich lief an dem Abend alles rund: Der Verein wurde mit 22 Mitgliedern gegründet, eine Vorstandschaft gewählt, die Satzung festgelegt und schon fleißig Pläne geschmiedet. Die Gemeinnützigkeit des Vereins ist mittlerweile auch in der Beantragung – und die Mitgliederzahl auf 34 gestiegen.

Feste in Planung
Die ersten Pläne klingen äußerst vielversprechend – alleine wenn man sich die Liste möglicher jährlicher Veranstaltungen ansieht: Ein Faschingsfest, ein Weinfest, ein Johannifeuer – all das und noch viel mehr könnten sich der Burschenverein vorstellen. Im Moment laufen die Planungen für ein großes Gründungsfest – Datum und Ort stehen noch nicht fest.

Ein gutes Miteinander
Doch neben diesen Veranstaltungen, die allen Haarerinnen und Haarern zugutekommen werden, hat der Verein noch ganz andere Ziele. „Eine hohe Mitgliederzahl ist schon mal nicht unser vorrangig erklärtes Ziel. Wichtig ist uns ein gutes Miteinander. Wir wollen ein gutes Netz sein, uns gegenseitig unterstützen, Verantwortung übernehmen, Traditionen aufleben lassen. Und wir wollen die jungen Leute wieder mal aus Facebook in die echte Welt holen“, erklärt Martin Zellner, der 2.Vorsitzender ist. Sein Bruder Andreas, Beisitzer im Verein, erklärt zudem, wie wichtig es den Burschen ist, diese gute Gemeinschaft zu schützen. „Aufgenommen wird der, der dazu passt. Wenn wir jemanden nicht kennen, dann beraten wir uns vorher“, sagt er. Es gibt Ausschlusskriterien. Jegliche Art von Rassismus wollen die Burschen beispielsweise in ihrem Verein nicht dulden - denn sie seien bunt aufgestellt. Und das ist ihnen wichtig, wie sie unisono betonen. „In der Öffentlichkeit werden immer wieder mal Burschenvereine mit studentischen Burschenschaften durcheinandergewürfelt“, sagt Martin Zellner. Da hätte man schon einigen Erklärungsbedarf im Freundes- und Bekanntenkreis gehabt.

Wer kann Mitglied werden?
Doch wer kann nun Mitglied im Burschenverein Haar werden? Männlich muss man sein, unverheiratet und einen Bezug zu Haar haben. Das früheste Eintrittsalter haben die Haarer Burschen bei 16 Jahren festgelegt – wobei dann eine Unterschrift der Eltern nötig ist. Im Moment ist das älteste Mitglied gerade einmal 30 Jahre alt, die Grenze nach oben ist aber offen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 30 Euro im Jahr. Alle anderen könnten sehr gerne fördernde Mitglieder werden – denn im Moment stehen einige Ausgaben für die Burschen an. Vor allem für die einheitliche Tracht - es soll eine kurze dunkelbraune Lederhose mit weißem Trachtenhemd werden – wird jedes Mitglied doch etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Deswegen sind die Burschen gerade auf der Suche nach einem guten und doch günstigen Modell. Oder einem Sponsoren. Genauso brauchen sie noch ein offizielles Logo und möglichst einen Ort, an dem sie sich alle zwei Wochen treffen können. Doch der Elan ist sehr groß. „Wir nutzen auf jeden Fall unseren Anfangsschwung und stellen gleich viel auf die Beine“, betont Weber. Offensichtlich keine leeren Worte: Beim Dorffest von Bayern 3 hat man sich von Seiten des Burschenvereins auch schon für die Gemeinde beworben…

Bürgermeisterin Gabriele Müller

Das Potential der jungen Menschen in unserer Gemeinde ist riesig — was sich gerade eben auch wieder  in der beeindruckend schwungvollen Gründung der Dirndlschaft „D‘wuidn Goaßn“ und des Burschenvereins zeigte. Wir freuen uns sehr über diese neue und doch so traditionelle Facette in unserem Gemeindeleben. Wo wir können, werden wir unseren beiden jüngsten Vereinen von Seiten der Gemeinde unterstützend zur Seite stehen. Wie bei all unseren Vereinen.

Die Burschen und D‘wuidn Goaßn

Ein vielsagendes Lachen erntet man bei den Burschen auf die Frage, ob ihre Gründung nicht auch ein wenig den jungen Damen der Gemeinde zu verdanken sei, die sich kürzlich zu der Dirndlschaft „D’wuidn Goaßn“ formiert haben? Man sei im regen Kontakt mit den jungen Frauen, unterstütze sich gegenseitig und arbeite zusammen, so die Antwort. Zugzwang hätte man allerdings keinen gespürt. Man fühle sich vielmehr wie eine Freundesclique, die in einen Verein gegossen wurde.

Kontakt zu den Burschen:
www.bv-haar.de
info@bv-haar.de  

BU: Hier die Gründungsmannschaft des Burschenvereins - mitsamt ihrer frischgewählten Vorstandschaft: 1. Vorsitzender Markus Weber (1. Reihe, 4.v.l.), 2. Vorsitzender Martin Zellner (1. Reihe, 3. v.l.), Beisitzer Andreas Zellner (1. Reihe, 2. v.l.), Alexander Thumann (1.Reihe, 1.v.l.), 1. Kassier Dominik Dattoli (1.Reihe 5.v.l.), 2. Kassier Markus Hofmann (1.Reihe, 6.v.l.), Schriftführer Valentino Andriollo (2.Reihe, 3.v.l)

Text: Claudia Erl