Ein besonderes Jubiläum für Helmut Dworzak 31.07.2012
„Helmut, i woas, Du mogst des ned.“ Gabi Müllers Augen leuchteten schelmisch, als sie bei diesen Worten in Richtung Helmut Dworzak lugte. Der saß auch tatsächlich sichtlich etwas unbehaglich auf seinem Stuhl im großen Sitzungssaal des Haarer Rathauses, als die 2.Bürgermeisterin am Ende der öffentlichen Gemeinderatssitzung das Wort ergriff. Doch es gibt einfach Jubiläen, die können und dürfen nicht ignoriert werden. Und so eines hat der Rathauschef in diesem Jahr: Seit 40 Jahren sitzt er bereits im Haarer Gemeinderat – seit 20 Jahren tut er das als erster Bürgermeister.
Sein „letzter Kampfgefährte“ erinnert sich
Der war er zu Beginn seiner kommunalpolitischen Tätigkeit nämlich im besonderen Maße. Sein „letzter Kampfgefährte“ im Gemeinderat aus dieser Zeit, Horst Wiedemann, erinnert sich noch gut an den jungen Mann mit den langen Locken und den Jeans im Jahre 1972. „In seinem äußeren Erscheinungsbild angepasst an die turbulente Zeit“, sei er gewesen, sagt der SPD-Mann Wiedemann mit einem verschmitzten Lächeln.
Der beliebte junge Wilde
Doch die Haarer haben den Juso Dworzak, damals 22 Jahre alt, sofort in den Gemeinderat gewählt. Manchmal stieß der allerdings bei seinen Kollegen immer wieder, mit seiner unkonventionellen Art auf Unverständnis. Da kam er zum Beispiel barfuß in den Gemeinderat, weil er im Freibad die Zeit übersehen hatte und ganz pflichtbewusst noch schnell zur Sitzung geeilt war – eben dann ohne Schuhe. Das brachte ihm beim damaligen Bürgermeister Willi Träutlein allerdings kein Lob ein. Im Gegenteil: Am liebsten hätte er den jungen Wilden zum Schuhe anziehen heimgeschickt. An solche Geschichten erinnert sich der heutige Bürgermeister gerne – und teilweise bis ins letzte Detail.
Von ersten Flohmärkten und Open-Air-Konzerten
So lauschten ihm die zahlreich erschienenen Gäste gebannt und immer wieder lauthals lachend, als er eine Anekdote an die andere reihte. Der Gemeinderat war eben noch ganz anders gestrickt - damals, als man in den Sitzungen vor überquellenden Aschenbechern saß, niemand fürs Protokoll mitschrieb und die Bierflaschen ganz selbstverständlich während der Diskussion geleert wurden. Damals dachte man, dass ein öffentlicher Flohmarkt der Startschuss für ein im Trödelmüll erstickendes Straßenbild sei. Oder ein Open-Air-Konzert der Inbegriff für Sex, Drugs und Rock‘n’Roll sei und so in Haar eine Hundertschaft Polizei auf 30 Konzertbesucher stieß. Oder es wurde stundenlang jeder einzelne VHS-Kurs diskutiert oder über die Abschaffung des Oben-Ohne-Verbots im Freibad debattiert. Damals. „Heute kann man über das alles Lachen. Aber wahrscheinlich wird man in 40 Jahren auch über uns lachen“, sagte Dworzak.
Um Haar besonders verdient gemacht
Vielleicht wird man das eine oder andere heutige Diskussionsthema belächeln in einigen Jahrzehnten. Über die Leistungen des Gemeinderats und seines Bürgermeisters wird sicher niemand witzeln. Es ist die Weitsicht – sowohl zeitlich als auch räumlich gesehen -, das Umweltbewusstsein, das Gespür für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Entwicklungen, die Fähigkeit andere mitzureißen oder auch mal Diskussionen aufs Wesentliche zurückzuführen, seine blitzschnellen rhetorischen Fähigkeiten und seine verbindliche menschenfreundliche und humorige Art, die Helmut Dworzak zu einem beliebten, anpackenden und erfolgreichen Bürgermeister macht. Die Aufzählung über die Haarer Errungenschaften und Großprojekte in Helmut Dworzaks aktiver Zeit, die Horst Wiedemann verlas, war lang. Und dabei sind alle kleinen aber wichtigen Entscheidungen noch längst nicht mit inbegriffen. Aus dem jungen vielversprechenden Mann in Jeans sei eben ein gestandener Bürgermeister geworden. „Er hat sich um Haar besonders verdient gemacht“, erklärte Wiedemann.
Dank von der Landrätin
Auch die Landrätin Johanna Rumschöttel dankte Helmut Dworzak für die „Menge Lebenszeit“, die er alleine in weit über 500 Sitzungen verbracht hat. Und sie dankte ihn für seine Vorbildfunktion, die er auch bei ihr als Bürgermeisterin von Neubiberg immer hatte. „Deine Kompetenz in der Regionalplanung ist geschätzt und gefürchtet“, sagte sie lachend. Er sei sich treu geblieben, nie ist er der Versuchung erlegen, Gewerbe im großflächigen Stil anzusiedeln. Auch sein soziales Engagement, die vielen sozialen Projekte in Haar und auch, dass er öffentlich die Stimme erhebe, wenn er auf soziale Ungerechtigkeiten stoße, sei bemerkenswert.
Zahl der Engagierten geht zurück
Etwas nachdenklicher wurden die Worte dann zum Schluss: Es bleibe das Gefühl, immer im Kreise von Kollegen und Bürger gearbeitet zu haben, die nachdenken über das Gemeinwesen, sagt Dworzak. Doch die Zahl derer, die heute noch bereit sind, sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft zu engagieren sei enorm zurückgegangen. Zu seinen Anfangszeiten hätte es noch Kampfabstimmungen gegeben, weil es bei den Wahlen viel mehr Bewerber als Listenplätze gab. Heute müsse man alle Register ziehen, um überhaupt eine ordentliche Liste aufstellen zu können. Der Eigennutz stünde mittlerweile bei jedem einzelnen klar im Vordergrund.
Mit stehenden Ovationen wurden Helmut Dworzak schließlich die Geschenke überreicht. Und natürlich durfte auch ein großer Blumenstrauß für seine Frau Juliane nicht fehlen – schließlich muss sie sich ihren Mann bereits seit 40 Jahren mit der Gemeinschaft teilen…
Claudia Erl



