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Marianne Deiglmayr - ein Nachruf 01.06.2012 


Sie hatte einen Zaubergarten, eine Schatzkammer und auch in ihrer Persönlichkeit irgendwie etwas  Märchenhaftes: Marianne Deiglmayr. Auf den ersten Blick war sie die Bilderbuch-Oma. Und auf den zweiten Blick eine Zauberin: Sie konnte einem Klumpen Ton Leben einhauchen. Nun hat sie ihr eigenes Leben ausgehaucht: Im Alter von 88 Jahren ist Marianne Deiglmayr verstorben.

Marianne Deiglmayr
© Gemeinde Haar 
„Mein Leben war ein bunter Blumenstrauß.“ Erst vor wenigen Monaten sagte sie diesen Satz – und ihre wasserblauen Augen funkelten dabei. Da saß sie noch in ihrem Gronsdorfer Häuschen, das mit dem wilden Zaubergarten vor der Haustüre, und genoss ihre „bayerischen Kiwis“, die darin wachsen. Im Keller ihres Hauses gibt es die Schatzkammer: Ein kleiner, handgegrabener Keller mit krummen Wänden, jede Menge Tonbatzen, kleine und große Fläschchen, große Brennöfen und vielen Metern Regalen. In ihnen sitzen ihre Werke – und sie alle erzählen von ihrer Schöpferin. Vom Menschen Marianne Deiglmayr.
Geboren wurde sie am 7. April 1924 in Tittlingen im Bayerischen Wald, verlebte eine Kindheit jenseits der Kunst. Früh verlor sie die Eltern, bekam selbst ein Kind und die Liebe trug sie schließlich weit weg von ihrem Zuhause - nach Gronsdorf. Turbulent wirkt ihr Werdegang, viele Schicksalsschläge hatte sie zu meistern. Unglücklich wirkte sie überhaupt nicht, wenn sie davon erzählte. Die Deiglmayrs hatten ein offenes Haus, immer wieder Pflegekinder und Gaststudenten aus aller Herren Länder unter ihrem Dach. Und die alte Dame erinnerte sich praktisch an jeden einzelnen.

Die Kunst kam dann völlig überraschend zu Marianne Deiglmayr: 1972 – da war sie schon Oma – bekam sie den ersten Klumpen Ton zwischen die Finger: Da ihre Enkelin fürchterlich weinen musste, als sie zum ersten Mal in der Vorschule in den Töpferkurs gehen sollte, ging die Oma kurzerhand mit. Es war der Beginn einer ganz besonderen Verbindung. Das merkten auch schnell ihre Mitmenschen: Ihr Talent wurde nicht nur vom Künstlerkreis Haar entdeckt, dem sie als Gründungsmitglied bis zu ihrem Tod angehörte, sondern auch von der Volkshochschule Haar.

Bereits Ende der 70er-Jahre kam die VHS auf sie zu. Und da Marianne Deiglmayr laut eigener Aussage einfach nie Nein sagen konnte, begann sie, Töpferkurse abzuhalten. So lernten unzählige Menschen – egal ob groß oder klein - in vier Jahrzehnten, wie aus einem Batzen Ton ein Vogerl entsteht. Das Deiglmayrsche Vogerl. „Es war so einfach bei ihr“, schwärmt VHS-Leiter Alfred Pfeuffer. „Mach!“ Das war die typische Aufforderung der Dozentin. Niemand hätte die Teilnehmer - ohne auch nur einen Satz über Kunst zu sprechen - so schnell an die eigene Kreativität gebracht. „Alles was sie gemacht hat, war so wunderbar lebendig“, sagt Pfeuffer. Doch den Begriff Künstlerin, den hörte sie im Zusammenhang mit ihrer Person nie gerne.  Sie witzelte viel mehr: „Ich frag die schon immer in der VHS, ob sie sich nicht schämen, so eine alte Dozentin zu haben. Aber das tun sie nicht“, sagte sie gerne über ihre VHS-Familie. Natürlich nicht. Man war stolz, eine Marianne Deiglmayr zu haben. Ihr  letzter Kurs lief noch zu dem Zeitpunkt, als sie verstarb.

Am 29.Mai 2012 verstarb Marianne Deiglmayr nach kurzer Krankheit. Angst vor dem Tod hatte sie nicht. Im Gegenteil: Ihr so einzigartiger Humor hat sie sogar in diesen Stunden nicht verlassen. Einzig die Vorstellung, dass sie das, was sie so liebte, nicht mehr tun könnte, machte sie traurig. Das blieb ihr nun erspart. Und dennoch:  Da sitzen sie nun, die ganzen Deiglmayrschen Gesellen, in ihren Regalen in der Schatzkammer und blicken mit großen Augen in die Welt. In eine Welt, die ohne ihre Schöpferin um eine besondere Person ärmer geworden ist. Und irgendwie ein Stück weit weniger bunt. 

Am Sonntag, 3. Juni findet um 8.30 Uhr in der Gronsdorfer Kirche ein Gedenkgottesdienst statt. Beerdigt wird Marianne Deiglmayr am 4. Juni 2012 um 13.30 Uhr auf dem Münchner Ostfriedhof.
(Claudia Erl)

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