Stadtvillen im Jugendstilpark 10.05.2012
„Es ist sicher das wichtigste Vorhaben der Gemeinde Haar der letzten und der kommenden Jahre“. Mit diesen Worten umschreibt Bürgermeister Helmut Dworzak die Bebauung des ehemaligen Klinikgeländes Haar II, dem sogenannten Jugendstilpark. Nun hat die Planung ein Gesicht bekommen: In einem konkurrierenden Planungsverfahren wurden fünf namhafte Architekturbüros beauftragt, eine mögliche Bebauung zu entwerfen. Der Gewinner steht nun fest: Stadtvillen im Park haben die Jury überzeugt.
Es ist eine äußerst schwierige Planung, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Denn: Es gilt, einer bereits bestehenden qualitativ hervorragende Architektur etwas gegenzusetzen, das nicht in Konkurrenz mit den unter Denkmalschutz stehenden, 100 Jahre alten Jugendstilgebäuden tritt. „Es gilt, das Alte respektvoll zu erhalten und doch etwas dagegen zu stellen, das sichtbar aus unserer Zeit stammt“, bemerkte Gert Goergens, der als Architekt die Rahmenplanung für das Areal erstellt hatte. Was dann auf dem Tisch der Jury landete, war überraschend: Kein Entwurf ähnelte dem anderen. „Manche waren sehr konventionell, manche sehr wagemutig“, freute sich Goergens.
Stadtvillen haben überzeugt
Gewonnen hat die Arbeit von borgevischs buero architekten & stadtplaner gmbh. Sie erarbeiteten für die beiden Planquartiere, die als Muster für die Gesamtplanung gelten sollen, Stadtvillen. Über vier Stockwerke verteilt werden 16 Wohnungen untergebracht – die Architektur ist dabei sehr zurückhaltend gestaltet: Die Häuser sind würfelförmig mit spielerisch angeordneten Fenstern und Loggien und einem flachen Wohndach ausgestattet. Zudem lassen die Punkthäuser, die locker in die Parklandschaft eingestreut sind, Blickachsen zum denkmalgeschützten Kern des Areals zu. So bleibt die Vorherrschaft des Bestands erhalten.
Diskussion über Privatheit im öffentlichen Park
Auch der Parkcharakter ist in der Planung nicht gefährdet. „Als wir damals im Workshop einen Rundgang durch das Areal starteten, war uns zum ersten Mal klar, welches Potential hier drin liegt“, schwärmt der Gewinner-Architekt Rainer Hofmann. Die riesigen dunkelroten Ziegeldachflächen beeindruckten ihn genauso, wie der ruhige Parkcharakter. „Für uns war sofort klar: Der Park soll Park bleiben“, sagt er. Die neuen Häuser sowie deren Bewohner sollen dieses Gefühl spüren, ein Teil dieses Parks zu sein. Deshalb sehen die Häuser Hochparterre mit großzügigen Loggien vor, aber bislang noch keine Privatgärten. Die sind jedoch ein großer Wunsch der Bauherren. Michael Zaigler von der Oberbayerischen Heimstätte betont, dass er dort schließlich für die Menschen baut und in Zukunft mit vielen Familien und dementsprechend vielen Kindern auf dem Areal zu rechnen sei. Jedoch will er keinesfalls viele kleine umzäunte Gartenabteile, die das Parkambiente tatsächlich stören würde. Wie viel Privatheit kann als in einem öffentlichen Park stattfinden? Hierüber gäbe es noch Diskussionsbedarf.
Andere Aspekte mit einfließen lassen
Doch insgesamt ist die Jury mit dem Entwurf sehr zufrieden: Er hätte Vorbildcharakter für alle anderen Quartiere. Allerdings gibt es durchaus auch Aspekte der anderen Entwürfe, die bei einer weiteren Planung Einfluss finden könnten. Zum einen der Vorschlag vom Büro 03 Architekten, die die Häuser sieben Stockwerke hoch planten und dafür viel weniger Gebäude einplanten. Vielleicht könnte an mancher Stelle tatsächlich ein Stockwerk zusätzlich auf die Stadtvillen gesetzt werden und dadurch ein ganzes Gebäude eingespart werden. Oder der Entwurf von Hilmer & Sattler und Albrecht, die in einer Art „Camouflage-Technik“ ihre Neubauten den alten Jugendstilhäusern soweit anpassten, dass sie kaum auffallen. Hier war die Kritik der Jury jedoch eindeutig: Mit Neubauten könne man nie die Qualität der alten Häuser erreichen – und trotzdem treten die neuen Häuser in Konkurrenz mit den Denkmalgebäuden. Allerdings könnte eventuell ganz nah an den Jugendstilgebäuden einzelne solcher Gebäude gesetzt werden.
Öffentlichkeit erwünscht!
Eines sind sich sämtliche Beteiligten bewusst: Der Blick der Bevölkerung ist mit großem Interesse auf das Projekt gerichtet. Und deshalb soll die Öffentlichkeit von Anfang an mit eingebunden werden. So ist ab sofort bis einschließlich 23.5. eine Ausstellung im Rathausfoyer zu betrachten, in der alle fünf Entwürfe vor- und ausgestellt sind. Am Donnerstag, den 24. Mai um 19 Uhr sind dann alle Interessierten ins Bürgerhaus eingeladen. Hier präsentiert Bürgermeister Helmut Dworzak zusammen mit den Planern und Investoren die Ergebnisse des Planungswettbewerbs. Anschließende Diskussion erwünscht.
Claudia Erl



