Acht Prozent mehr 17.04.2012
Es ist eine unpopuläre Entscheidung, die kein Gemeinderatsmitglied gerne fällt. Und trotzdem entschloss sich das Haarer Gremium mehrheitlich dafür, die Gebühren für die gemeindlichen Kindertageseinrichtungen zu erhöhen. Acht Prozent mehr müssen die Eltern ab dem 1.September 2012 bezahlen.
Drei Jahre ist es her, dass die Gemeinde Haar ihre Gebühren für die Kindertagesstätten erhöht hat. Trotzdem flatterten ins Rathaus Jahr für Jahr die Defizits-Ausgleichanträge für Kinderkrippen, Kindergärten und Horte. Die geforderten Summen wurden dabei immer höher – gute Kinderbetreuung kostet eben auch dementsprechend. Zudem fordern die Erzieherinnen derzeit höhere Gehälter, diese Tatsache ist in dieser Gebührenerhöhung noch gar nicht berücksichtigt. Nun hat die Gemeinde reagiert: Im Durchschnitt erhöhen sich die Kosten für einen Kinderbetreuungsplatz um 10 Euro pro Kind und Monat.
Hohe Standards beibehalten
Haar hat in den Gemeindekindergärten hohe Standards, leistet sich einen etwas besseren Personalschlüssel als üblich und ist äußerst bemüht, allen Dreijährigen einen Kindergartenplatz zu geben - und unterstützt das alles auch finanziell. Dabei gilt die Unterstützung der Gemeinde nicht nur den eigenen KiTas, sondern auch denen der anderen Träger: Neben den Defiziten, die von der Gemeinde getragen werden, werden unter anderem den anderen Trägern auch gemeindliche Gebäude mietfrei zur Verfügung gestellt. Bürgermeister Helmut Dworzak erläuterte dem Gremium, dass man die Gebühren gravierend erhöhen müsste, um alleine die reinen „Alltags-Kosten“ der Kindereinrichtungen durch die Elternbeiträge decken zu können. Darin nicht mit inbegriffen sind die Erstellungs- und Unterhaltskosten für die Häuser; hierbei handelt es sich ebenfalls um Millionenbeträge.
CSU will die Erhöhung in zwei Schritten
Die CSU-Fraktion konnte sich mit der Erhöhung trotzdem nicht anfreunden. Thomas Reichel betonte, dass eine Gemeinde mit solch einem Finanzvolumen durchaus fähig sei, in solch einem Fall politisch und nicht kaufmännisch zu entscheiden. Es träfe doch einige hundert Haarer Familien, unter denen es auch manch eine gibt, denen die 120 Euro im Jahr äußerst weh tun. „Wir können es uns finanziell leisten, weniger zu erhöhen“, sagte der CSU-Fraktionssprecher Reichel. Er stellte den Antrag die Erhöhung auf zwei Schritte vorzunehmen: In diesem Jahr um 4 Prozent und nächstes Jahr um weitere 4 Prozent. CSU-Gemeinderat Andreas Rieder stellte den weitestgehenden Antrag und forderte eine „Nullrunde“ für dieses Jahr.
Bedürftige Familien nicht betroffen
Dr. Mike Seckinger wies schließlich darauf hin, dass Familien „mit ganz wenig Geld“ ohnehin nicht betroffen seien. Zum einen bekommen Familien im Bezug die Kosten vom Kreisjugendamt erstattet. Und die Haarer Initiative „Kindern Chancen geben“ unterstützt die Familien, die einkommensschwach an der Grenze zur Sozialhilfe stehen. „Es ist trotzdem ein Dilemma für die Gemeinde: Wenn wir jetzt nicht zustimmen, dann landen wir in eine paar Jahren bei einer Steigerung von 15 Prozent – und das tut dann wirklich weh“, sagte der grüne Gemeinderat.
Gemeinschaftlich erarbeitetBürgermeister Dworzak wies auch darauf hin, dass die Gebührenerhöhung in einer Konferenz mit allen Einrichtungen – sowohl gemeindliche als auch die der freien Träger - besprochen wurden. Und da hätte es durchaus Stimmen aus einzelnen Kindertagesstätten gegeben, die sich eine viel deutlichere Erhöhung gewünscht hätten - um die Qualität ihres Hauses beizubehalten oder zu erhöhen.
Mit den Gegenstimmen der CSU-Fraktion wurde schließlich die 8-prozentige Gebührenerhöhung in den gemeindlichen Kindertageseinrichtungen mehrheitlich beschlossen.
Claudia Erl



